Verfasst von: jesusandyou | Juni 17, 2010

Plinius der Jüngere: Oder wie man einige Millionen Christen rettet. Teil III

Plinius der Jüngere: Oder wie man einige Millionen Christen rettet. - Teil 3: Die Meinung von Plinius über die Jünger Jesu

 

Im letzten Teil dieser Artikelreihe haben wir untersucht, was Plinius von Jesus hielt. Durch die dreimalige Erwähnung des Wortes “Christus” im Brief 96, Buch 10, wissen wir, dass er höchstwahrscheinlich ein Christ war.

Doch was hielt er von den Christen selbst? Hinweise dazu gibt die Analyse der Zahlensymbolik des folgenden Zitats:

“Ich fragte sie, ob sie Christen seien. Die Geständigen fragte ich ein zweites oder ein drittes Mal unter Androhung der Todesstrafe; diejenigen die darauf beharrten, ließ ich hinrichten.”

Halten wir folgendes fest: 

Zuerst befragt Plinius die Christen, ob sie Christen sind. Erst wenn sie bejahen, folgt dann die Befragung mit Drohung durch Plinius.  Die Drohung der Todesstrafe erfolgt lt. Plinius “ein zweites oder ein drittes Mal” infolge der Befragung.

Was bedeutet “2 oder 3″. Die Formulierung “Zwei oder Drei” bedeutet mathematisch 2/3. Aber zahlensymbolisch bedeutet sie 5.  Heute ausgeschrieben: 2+3.

Und die Fünf bedeutet in den meisten Kulturen der Antike: Hochzeit, Ehe, Bund, Freundschaft und Liebe.  Sie ist im übrigen die wichtigste Zahl in der Menschheitsgeschichte.

Diese Formulierung hier bei Plinius hat zwei Bedeutungsebenen.:

1)Die Göttliche:

Aufgrund dessen können wir schließen, dass Plinius meinen könnte: “Seid ihr bereit mit Gott einen Bund  zu schließen?”

Schon gerade weil Plinius den Christen diese antike aber internationale Formulierung “Zwei oder Drei” vergibt, denn die Fünf ist ein Qualitätsurteil, gibt er auch seine Meinung über diese Christen kund. Diese heißt in etwa in heutigen Worten formuliert: “Jesus Christus ist der richtige und echte Gott. Wer sein Anhänger wird, geht mit ihm einen echten Bund ein. Das ist DIE Hochzeit. Andere Gottheiten können diese mystische Hochzeit NICHT anbieten!”

Um es exakter zu erklären: Bei jeder Religion, egal wie diese heißt und welche Gottheit oder göttliche Macht anbetet wird, geht es um Mystik. Nämlich den Bund zwischen einem Menschen eben dieser Macht oder Gottheit. Salopp gesagt: Es geht um Vitamin B,  B wie Beziehung.

2) Die menschliche Beziehung:

Fünf bedeutet auch Freundschaft. Plinius will hier sagen: “Christen, ich bin für Euch! Ich bin auf Eurer Seite!”

Für einen Nichteingeweihten in Zahlensymbolik mag das weither geholt sein, aber es gibt leider keine bessere Erklärung.
Einen schönen Tag noch!

—————————

Brief 96 aus Buch 10:„Gaius Plinius an Kaiser Trajan.

Es ist mir heiliges Gebot, oh Herr, alles, worüber ich im Zweifel bin, Dir vorzutragen. Wer könnte nämlich besser meinem Zögern eine Richtung weisen oder meine Unwissenheit erhellen?

An Verhandlungen gegen Christen habe ich niemals teilgenommen; deswegen weiß ich nicht, was und inwieweit man hier gewöhnlich straft oder untersucht. Auch bin ich nicht wenig im unklaren, ob ein Unterschied im Alter gemacht wird oder ob noch so Junge den Erwachsenen gleichgestellt sind; ob den Reuigen Verzeihung gewährt wird oder ob es dem, der überhaupt einmal Christ war, nichts nützt, davon abgelassen zu haben; ob der Name an sich, auch wenn er von Schandtaten frei ist, oder ob mit dem Namen verbundene Schandtaten bestraft werden.

Inzwischen habe ich bei denen, dir mir als Christen angezeigt wurden, folgendes Verfahren beobachtet. Ich fragte sie, ob sie Christen seien. Die Geständigen fragte ich ein zweites oder ein drittes Mal unter Androhung der Todesstrafe; diejenigen die darauf beharrten, ließ ich hinrichten. Darüber bestand für mich kein Zweifel, daß Hartnäckigkeit und unbeugsame Starrköpfigkeit auf jeden Fall bestraft werden müssen, was es auch sein mochte, was sie zu gestehen hatten. Es gab andere von ähnlicher Verrücktheit, die ich als römischer Bürger für die Weiterleitung nach Rom vormerkte. Wie das zu geschehen pflegt, traten später, da die Anklage im Verlaufe der Untersuchung weitere Kreise zog, mehere Sonderfälle auf.

Es wurde auch eine viele Namen enthaltende anonyme Schrift vorgelegt. Diejenigen, die leugneten, Christen zu sein, und nach meinem Beispiel die Götter anriefen und Deinem Bilde, das ich zu diesem Zweck zusammen mit den Götterstatuen hatte herbeischaffen lassen, Weihrauch und Wein opferten, außerdem Christus schmähten – lauter Dinge zu denen wahre Christen, wie man sagt, nicht gezwungen werden können -, glaubte ich freilassen zu sollen. Andere, deren Name von diesem Anzeiger genannt worden war, sagten, sie seien Christen, und leugneten es später: sie seien es zwar gewesen, hätten aber aufgehört, manche vor drei, manche vor mehr Jahren, einige sogar vor zwanzig. Auch diese alle verehrten Dein Bild und die Götterstatuen und schmähten Christus.

Sie behaupten aber, ihre ganze Schuld – oder ihr ganzer Irrtum-habe darin bestanden, daß sie sich an einem bestimmten Tage vor Sonnenaufang zu versammeln pflegten, Christus zu Ehren, wie einem Gotte, im Wechselgesang ein Lied anstimmten und sich eidlich nicht etwa zu einem Verbrechen verpflichteten, sondern kein Diebstahl, keinen Raub, keinen Ehebruch zu begehen, keine gegebenes Wort zu brechen, kein anvertrautes Gut, wenn es zurückgefordert wird, abzuleugnen. Darauf seien sie in der Regel auseinandergegangen und wieder zusammengekommen, um ein Mahl einzunehmen, das jedoch ganz gewöhnlich und harmls war; damit hätten sie aufgehört nach meinem Edikt, worin ich Deinem Auftrag gemäß die Vereine verboten hatte. Um so mehr hielt ich es für notwendig, zwei Sklavinnen, die sie Diakonissen nannten, sogar auf der Folter zu befragen, was wahr sei. Ich fand nichts anderes als einen verkehrten, maßlosen Aberglauben.

Daher habe ich die Verhandlung aufgeschoben und bei Deinem Rat Zuflucht gesucht. Die Sache schien mir nämlich Deines Rates wert, besonders der Zahl der Angeklagten wegen. Viele Leute nämlich, jedes Alters, jedes Standes, auch beiderlei Geschlechts, werden angeklagt und werden noch angeklagt werden. Und nicht nur über die Städte, sondern auch die Dörfer und die Landschaft hat sich dieser ansteckende Aberglaube verbreitet, der jedoch, wie es scheint, eingedämmt und geheilt werden kann. Auf jeden Fall beginnt man erwiesenermaßen die schon beinahe verödeten Tempel wieder zu besuchen und die lange unterbrochenen feierlichen Opfer wieder aufzunehmen und überall wieder Opferfleisch zu verkaufen, für das sich bis jetzt nur selten ein Käufer fand. Daraus ist leicht zu schließen, wie viele Leute gebessert werden können, falls man auf die Reue Rücksicht nimmmt.“

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